Wer könnte besser die Entstehungsgeschichte des Museumsvereins schildern als der Hauptinitiator, Fahrzeugsammler, Restaurator und Buchautor Frieder Bach:

Die ersten Gedanken zur Gründung eines Fahrzeugmuseums in Chemnitz, damals noch Karl-Marx-Stadt, gingen bei mir auf die Tatsache zurück, dass ich Mitte der Achtziger Jahre kurzfristig die für die Unterstellung meiner gesammelten Oldtimer im Vorort Mittelbach gemietete Scheune räumen musste. Die Vorbereitungen für ein solches Museum, das auch durch Leihgaben anderer Sammler gefüllt werden sollte, waren schon sehr weit gediehen, inklusive der Festlegung eines geeigneten Gebäudes am Westrand der Stadt. Das Vorhaben scheiterte letztlich politisch, da beispielsweise die SED-geführte Kulturleitung Karl-Marx-Stadts in dem Vier-Ringe-Emblem an den Auto Union-Fahrzeugen vornehmlich ein Symbol für den faschistisch-deutschen Rüstungswahn sah, als ein solches für „Vorsprung durch Technik“.

Im Zeitpunkt der Übergabe der ostdeutschen Bürokratie von Ostberlin nach Bonn im Jahr 1990 sah ich nun die Chance, die in DDR-Zeiten gescheiterte Idee des Chemnitzer Fahrzeugmuseums nun zu realisieren, wobei ich meine Hoffnungen weniger auf die Kommune oder den gerade in Gründung befindlichen Freistaat setzte. Die „Zugmaschine“ für ein solches Projekt sollte ein Verein sein. Da Vereinsgründungen im Osten Deutschlands während der Ära der roten Herrschaft und auch schon in der braunen Zeit verboten waren, betrat man damit hier Neuland. Die Suche nach einem in derlei Dingen erfahrenen und somit aus dem Westen Deutschlands stammenden Partner war also sinnvoll. Da in meiner Nähe schon eine Vereinsgründung, die des Chemnitzer Athleten-Clubs, erfolgreich vor sich gegangen war, erkundigte ich mich bei dessen Präsidenten, dem aus Ravensburg stammenden Architekten Peter Waldvogel, über das Prozedere. Dieses Gespräch hatte nach wenigen Tagen die Folge, dass Herr Waldvogel sich bereit erklärte, sich vor den Karren „Fahrzeugmuseum“ zu spannen. Bei der 1993 erfolgten Vereinsgründung wurde er als Vereinspräsident gewählt. Vizepräsident wurde der Bürgermeister von Klaffenbach, Herr Armin Donner. Letzteres lag nahe, da die Suche nach dem künftigen Domizil des geplanten Museums in Form der Wirtschaftsgebäude des Wasserschlosses in Klaffenbach sich als realisierbare Möglichkeit ergab.

Im Januar 1995 zog das „Museum für Sächsische Fahrzeuge“ in die restaurierten und mit Fördermitteln für diesen Zweck ausgebauten Räumlichkeiten des Vorortes von Chemnitz.
Am Eröffnungstag standen mehrere tausend Besucher geduldig auf dem noch ungepflasterten Schlosshof, bis auch sie ein Plätzchen in den Gängen des neuen Museums fanden. Die Vereinsgründer wählten das Leitbild des Museums als Bezeichnung desselben. Man machte es sich also zur Aufgabe, eine Dauerausstellung auf die Räder zu stellen, deren Exponate (fast) ausschließlich in Sachsen produziert wurden.

Unter den wenigen damals in der näheren Umgebung existierenden Fahrzeugsammlungen gab es keine, die sich diesem traditionsreichen Thema widmete und die Entwicklung eines der bedeutendsten Industriezweig des Freistaats demonstrierte. Die zahlreichen Besucher der Dauerausstellung bezeugen  die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung. Auch die wechselnden Sonderausstellungen und Veranstaltungen kamen gut beim Publikum an. Gästebuch-Einträge von Besuchern aus allen Winkeln dieses Planeten im beweisen das große und überregionale Interesse. Hohen Anteil am Erfolg hatte Frau Regine Reichel als Leiterin des Museums bis zu ihrem Ruhestand.

Im Jahr 2002 fand ein Naturereignis statt, das die Existenz des Museums wie auch die vieler sächsischer Betriebe und Haushalte fast in den Abgrund führte: eine Flut gewaltigen Ausmaßes.
Im Erdgeschoß der Museumsräume stand das Wasser so hoch, dass alle Motoren der ausgestellten Fahrzeuge vollgelaufen waren.

Die von den Feldern im Wasser mitgeführten Düngechemikalien begannen die Leichtmetallteile sofort zu zersetzen. Mit strapazierten Nerven musste körperliche Arbeit in Windeseile durchgeführt werden – eine Situation, die man sich kein zweites Mal wünscht. Durch die umfangreichen Hilfen gelang der Fortbestand des Museums. Im Zuge von Eingemeindungen war auch Klaffenbach ein Ortsteil von Chemnitz geworden, was die bürokratischen Belange des Museums nicht erleichterte. Eines Tages wurde dem Museumsverein als Betreiber eröffnet, dass es neue Brandschutzbestimmungen gäbe und zu deren Realisierung müssten in den Räumen der Fahrzeugausstellung Bauarbeiten ausgeführt werden.

Nun standen wir vor der Aufgabe, das Museum für ca. ein halbes Jahr auszuräumen, um Baufreiheit zu schaffen. Hierbei entstand das Problem, dass in akzeptabler Entfernung keine ausreichend große Räumlichkeit zu finden war, in der eine sichere  Unterbringung aller Exponate möglich war. Nach längerem Suchen bot sich schlussendlich die nahe am Stadtzentrum gelegene ehemalige „Stern“- Garage an. Während der für den zeitweiligen Umzug erforderlichen Verhandlungen mit dem Verwalter bzw. den Besitzern eröffnete sich die Möglichkeit, dauerhaft in diese Räumlichkeiten zu ziehen. Die Besitzer erklärten sich bereit, die dazu notwendigen Bauarbeiten auszuführen und so entstand ein neues Mietverhältnis für den betreibenden Museumsverein, das ihm den zweiten Umzug zurück nach Klaffenbach ersparte. Der Umzug in die 1928 erbaute Hochgarage erfolgte mit einem lachenden und einem weinenden Auge, da das Ambiente des Wasserschlosses sich hervorragend für alte Fahrzeuge geeignet hatte. Die Folgen einer zweiten Überschwemmung zu beseitigen konnten und wollten wir uns aber nicht vorstellen. Des Weiteren passten die Historie des „neuen“ Gebäudes und der Fahrzeuge gut zusammen.

So erfolgte im November 2008 die Neueröffnung des „Museums für Sächsische Fahrzeuge“ am neuen Standort, dessen größere Zentrumsnähe sich positiv auf die Besucherzahlen auswirkte. Auch in der Führung des Museumsvereins gab es im Laufe der Jahre Änderungen. Als Vereinspräsident konnte nach dem Ausscheiden von Peter Waldvogel aus dem Vorstand Ludwig Karsch gewonnen werden, der sich völlig im Klaren darüber war, dass er keine einfache ehrenamtliche Tätigkeit übernahm, da seine Eltern beide im Museumswesen tätig sind. Er kämpft also seither keinen leichten Kampf um die Absicherung der jährlichen Finanzierung des Museums.Sterngarage Mit Dirk Schmerschneider konnte am neuen Standort auch ein neuer Museumsleiter mit Erfahrungen in Technik und Geschichte gewonnen werden. Als große Hilfe erwiesen sich besonders seit dem Umzug die kontinuierlich durchgeführten Sonderausstellungen, die durch die etwas größere Ausstellungsfläche in der Stern-Garage möglich wurden. Gute Ideen für ihre Themen und große Hilfsbereitschaft bei deren Realisierung durch die Vereinsmitglieder sorgen für einen erheblich größeren Besucherstrom. Dadurch kann der Museumsverein 2015 auf ein zweiundzwanzigjähriges Bestehen und das Fahrzeugmuseum schon auf eine siebenjährige Existenz am neuen Standort zurückblicken!