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Fahrzeugbaugeschichte erleben – Dr. Reichelt berichtete von der P70- Entwicklung

Es war schon lange unser Wunsch, Herrn Dr. Reichelt für einen Fachvortrag im Museum zu gewinnen. Am 17. September war es unter dem Titel „60 Jahre P70“ so weit. Müsste man Quintessenz seiner Ausführungen in einem Satz zusammen fassen, so lautete diese:

Die Bedeutung des Typs P70 mit Kunststoff-Karosserie aus dem VEB Automobilwerk Zwickau für die Folgeentwicklungen des DDR-Automobilbaus wurde und wird unterschätzt.

P70_Messe_b

Damit jedoch würde man weder dem Referenten noch dem Thema gerecht. Vor gefüllten Rängen leitete Dr. Reichelt die Voraussetzungen zur Entstehung der Zwischentype her, berichtete dann von den technischen wie politischen Herausforderungen bei der Umsetzung, um schließlich die Wichtigkeit der dabei gewonnenen Erfahrungen, nicht nur für die spätere Trabant-Konstruktion, zu betonen.

Alle Beteiligten auf einen Blick: 2.v.l. Dr. Reichelt, 1955. Mit freundl. Genehmigung des Referenten.

Die Ausgangsbasis durch Kriegsfolgen (Zerstörungen, Reparationsleistungen und fehlende Rohstoffe), besonders der Mangel an Karosserieblech, wurde eindringlich geschildert. Auch die vielen Schwierigkeiten auf dem Weg zur Serienproduktion des „Duroplast“ getauften Werkstoffes, dem Finden einer fertigungsgerechten Fahrzeugform und des Neulands welches von der Rohstoffauswahl über die Probleme der Teileverbindung bis zum Erreichen eines akzeptablen Lackfinischs wurden deutlich.

War das Vortragsthema schon an sich interessant, so ergab sich durch die direkte Beteiligung des Referenten an den geschilderten Ereignissen eine Authentizität, wie sie nur Zeitzeugen vermitteln können.

„Wissen Sie, wenn man vierzig Jahre lang beruflich mit Kunststoffkarosserien befasst war, kann man einiges darüber berichten“ deutete Werner Reichelt schon am Anfang an. Es gelang ihm im Laufe des Abends eine sachlich fundierte, technisch detailreiche Schilderung der Ereignisse, die jedoch nicht nicht vom Pult herab und dem Publikum entrückt wirkte.

Mehrfach gab es Momente, wo die Geschichte durch die Schilderungen der Zeitzeugen lebendig und nachvollziehbar wird, was dem Geschilderten eine besonderer Authentizität verleiht.

Zum Beispiel, als der Referent über die Dreizylinder-Spezialausührung als Dienstwagen für den Oberingenieur Kurt Lang spricht, der „gut gegangen sein muß“ – worüber aber dessen Fahrer Harald Linke sicher besser Auskunft geben könnte. Worauf aus dem Publikum die Bestätigung kommt „ja, der war wirklich schnell“ – von eben diesem ehemaligen Renn- und Testfahrer Linke, der sich den Vortrag auch nicht entgehen lassen wollte.

Bau des p70 „Langschnauzer“ Dienstwagens von Kurt Lang mit Dreizylinder.

Unnötig zu erwähnen, dass im Anschluß noch die eine oder andere spannende Begebenheit aus dem Berufsleben ausgetauscht wurde.

Wir danken an dieser Stelle nochmals herzlich Herrn Dr. Reichelt (Jahrgang 1927!) und wünschen ihm noch lange soviel Energie und Engagement für die sächsische Kraftfahrzeughistorie.

Hier bildliche Eindrücke vom Vortrag:

Fotografie – pandiculor

Wer das Wichtigste zur Kunststoffkarosserie nachlesen möchte, dem sei die 64-seitige Broschüre aus der Reihe „Trabant-Legende“ empfohlen. Sie ist im Museum zum Preis von 7,-  Euro erhältlich.

Kunststoffkarosse

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