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Fahrzeugdesign aus Zwickau 1945-1990

Herr Dipl.-Ing. Detlef Neumann verantwortet den Bereich Designmodellbau an der Fakultät Kraftfahrzeugtechnik der Westsächsischen Hochschule Zwickau und sorgt somit auch für die Ausbildung sächsischen Ingenieursnachwuchses. Daneben pflegt er ein ausgeprägtes Interesse für die sächsische Fahrzeugbauhistorie, wovon wir als Museum bereits wiederholt profitieren konnten. Daher hat es uns besonders gefreut, Herrn Neumann für einen Fachvortrag gewinnen zu können. Hier einige Eindrücke von der Veranstaltung:

„Designgeschichte für Nachkriegsfahrzeuge aus Zwickau? Wie soll man denn über zwei Typen eine Stunde reden?“ Wenn der Vortragende schon mit so trockenem Humor beginnt ahnt man, dass es gleich einige Überraschungen zu sehen und hören gibt. 

Ausgehend von den letzten Auto Union-Entwicklungen, die der zeitgemäßen Stromlinienform folgten, wurden die formgestalterischen Ansätze der ersten Nachkriegs-Prototypen gezeigt. Sowohl bei der Außengestaltung als auch im Innenraum spiegelten sich die jeweiligen Moden und Weiterentwicklungen wieder. Für jeden dann vorgestellten Zwickauer Typ illustrierten Abbildungen der Pendants aus westdeutscher Produktion, Frankreich, Großbritannien oder den USA wie nah man jeweils am internationalen Stand war und welchen Moden die Fahrzeugformen über die Zeit folgten.

Von Horch und Sachsenring über die F9-, P70- und P50 – Varianten wurden Entwürfe, Änderungen und realisierte Fahrzeuge bis Ende der 1950er Jahre vorgestellt, wobei bei letzteren der Zusammenhang zwischen Gestaltung und Kunstoffkarosse betont wurde. Auch das die Type Trabant 601 nur als Zwischenlösung gedacht gewesen war, wurde erwähnt.

Fotografie – pandiculor

Dann kam der wirklich spannende Teil zu den Weiterentwicklungen, die über das Entwurfs-, Modell-, oder Prototypenstadium nie hinaus kamen, wie der P 504, der P 100 oder die Hoffnungsträger der Entwickler wie P 603 oder P 610. Auch das Projekt  P760, bei dem mit den Eisenacher Kollegen und den Skoda-Werken ein zukunftsfähiges Fahrzeug entstehen sollte, wurde in verschiedenen Varianten vorgestellt. Es teilte jedoch das traurige Schicksal der vorherigen und der späteren Versuche, die veralteten Produkte abzulösen.

Selbst kleine Schritte, auf Basis der vorhandenen Typen zumindest im Karosseriebereich neue Erkenntnisse einfliessen zu lassen (P601 WE II), waren zum Scheitern verurteilt. Statt dessen wurde den Automobilwerkern von der Planungsbürokratie der Einbau von VW-Motoren verordnet, die als Ergebnis den Trabant 1.1. hatten: Ein von Anbeginn optisch verschlissenes Fahrzeug, dass trotzdem erhebliche technische Umkonstruktionen bedingte und Sinnbild des Scheiterns des DDR-Fahrzeugbaus. Da Herr Neumann im VEB Sachsenring nach einer Station in der Endmontage schließlich in der Karosserieentwicklung mit an der Serienvorbereitung des Trabant 1.1. gearbeitet hatte, konnte er sehr deutlich die praktischen Probleme schildern.

Wichtig war Herrn Neumann die Feststellung, dass es in Zwickau nach 1945 nicht an Ideen, Entwürfen und Lösungen für moderne PKW-Konstruktionen gefehlt hat. Doch diese drangen nie an die Öffentlichkeit. Eine Umsetzung in die Praxis der Serienfertigung unter den gegebenen Bedingungen jedoch war bis zum Ende der DDR nie möglich. Verpasste Chancen, politische Prämissen, verlorenene Zeit, abgeschriebene Mittel in Millionenhöhe, frustrierte Techniker, Gestalter und Kunden sind nur einige der Schlagworte, die benannt wurden.

Auch bei diesem Vortrag entstand durch die anwesenden Fachleute im Auditorium wieder ein lebendiger Austausch zum Thema. So konnte beispielweise Prof. Clauss Dietel mehrfach seine oft leidvollen Erfahrungen in gewohnt plastischer Weise schildern, war er doch (gemeinsam mit Lutz Rudolph) der Gestalter einer Vielzahl der gezeigten und nie in die Fertigung überführten Typen. Oder Herr Horst Kretzschmar, zu dieser Zeit u.a. in den Firmen Porsche und Ford für Karosserieentwicklung zuständig, benannte eine westdeutsche Perspektive auf das Fahrzeugdesign. Mit diesen Zeitzeugen entspann sich auch wieder eine lebhafte Diskussion, die das Salz in der Suppe eines Vortragsabends ist.

An dieser Stelle also einen herzlichen Dank an Herrn Neumann. Nicht nur für die Lehrstunde in Designgeschichte, sondern auch für die unkomplizierte Zusammenarbeit und Unterstüzung unseres Hauses mit Wissen, Bildmaterial und Exponaten.

Wer mehr zum Vortragsthema wissen möchte, dem sei diese Publikation des Referenten empfohlen:

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