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Schickal einer Rennmaschine aufgeklärt? Der Gegenkolben-Renner KS1

In dieser Geschichte steckt alles, was Technikhistoriker herausfordert: Ein hochkomplexer und außergewöhnlicher Antrieb, entstanden im Geheimen und in schwierigen Zeiten; Berühmte Rennprofis, gestandene Konstrukteure; Sowjetische Befehle und ein Rennfahrer in den Westzonen; Vereinzelte Bilder, wenige Akten, einige Beschreibungen und viele Gerüchte; Eine erhaltenene Rennmaschine mit widersprüchlichen Details.
Und es gibt Herrn Jakob, ehemals Versuchsingenieur bei einem Autohersteller, der es gern noch erleben möchte, dass diese Geschichte, so nah wie möglich an den bekannten Fakten, festgehalten und veröffentlicht wird. Dazu sucht er jemanden, der sich damit auskennen könnte. So kommt Frieder Bach ins Spiel. Die Zusammenlegung der Quellen fördert viele bisher unbekannte Dokumente hervor, darunter auch Nachlässe der Konstrukteure Kurt Bang, Herbert Friedrich und August Prüßing.
Den aktuellen Sachstand nach neun Monaten Recherche zu präsentieren, war der Anlaß für den Vortrag.

Fotografie: pandiculor – Paik Jahnscheck

Darin wurden viele Dokumente erstmals öffentlich gemacht. Das Museum nutzte die Gelegenheit, speziell an diesem Abend einige Originalzeichnungen und Versuchsberichte aus dem Bestand zu zeigen. Klar wurde, dass die Grundidee für den außergewöhnlichen Motor bereits 1936 bei DKW existierte, dass nach 1945 die Sowjets anordneten, auf dem Gelände der heutigen TU Chemnitz Rennmotoren zu testen und dass eine Anzahl kompletter Rennmaschinen nach Serpuchov in die Sowjetunion gingen, von denen bis heute jede Spur fehlt.
Die aufsehenerregende Gegenkolben-Rennmaschine, die Kurt Kuhnke nach dem Krieg an den Start brachte, basierte auf den Vorgängerkonstruktionen. Ihren Motor hat Kurt Bang – vorher bei DKW und später bei MZ – während seiner kurzen Zeit in Braunschweig für Kuhnke konstruiert. Mit dem Kompressorverbot ab 1951 endete Einsatz des leistungsstarken aber wenig zuverlässigen Motorrades. Jahrzehnte später rekonstruierte man an der TU Darmstadt den Motor und verpasste dem Motorrad das ahistorische Aussehen eines DKW-Werksrenners. Heute ist es im Besitz von Audi Tradition.

Durch die Recherchen der Herren Jakob und Bach ist ein über 80-seitiges Manuskript entstanden, das neben der Sonderkonstruktion auch die beteiligten Akteure beschreibt. Mal sehen was daraus wird.

Ein weiterer bebildeter Bericht zum Vortrag ist unter diesem Link zu finden.

Literaturtips zum Thema DKW-Motorsporthistorie, alle im Museum erhältlich:

Die Große Zeit der DKW-Motorradrennsports 1920-1941; W. Lange/J. Buschmann
DKW-Zschopau und der Motorradgeländesport 1920-1941; W. Lange/J. Buschmann
DKW-Motorradsport 1920-1939; S. Ottinger,
DKW.Siegesserien, 2 Bde.; A. Schwietzer

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Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz e.V.